Das Skandalon des Kreuzes
(Kein Aprilscherz)
Wenn man so herumschaut, sieht man dieser Tage nur süße Puschelhäschen und bunte Plastikeier in Vorgärten, das soll dann auf Ostern einstimmen.
Da ist es leicht, zu vergessen, warum wir eigentlich das Osterfest feiern. Das wichtigste Fest der Christenheit geht auf den grausamen Tod eines Menschen (?) zurück, der für seine Überzeugungen gelitten hat, gestorben ist und - wiederauferstand.
Ob und in welchem Verhältnis Jesus Christus Mensch oder Gott oder beides war, hat seinerseits Religionskriege und Spaltungen verursacht, denn für Anhänger des Monophysitismus, die glauben, daß Jesus nur Mensch war, scheint es skandalös und unmöglich, daß Gott selbst am Kreuz starb. Für andere wird eben dieses Skandalon Zeugnis der Größe Gottes selbst, der sich in seinem Sohn von seiner eigenen Schöpfung, den Menschen, quälen und töten läßt, um am Ende über sie zu triumphieren und dies zum Zeichen zu machen des Glaubens und der Stärke, der Hoffnung und der Liebe.
Das Osterfest ist das Düsterste und Großartigste, was der christliche Glaube zu bieten hat, eine Geschichte, die innerhalb kürzester Zeit (3 Tage) das ganze Drama des Menschen aufführt, Tod, Gewalt, Leid, Verrat, Trauer, Zusammenhalt, Hoffnung, Geburt, Liebe, Freude, Leben.
Als Kind habe ich mich vor der Ostergeschichte geängstigt, alles war mir zu groß und zu düster und zu unvorstellbar. So mag es anderen auch gehen - wenn sie denn überhaupt der Tragweite des religiösen Hintergrundes dieses Festes gewahr werden - süße Puschelhasen verkaufen sich eben besser.

