Nette Menschen 1.5
Heute, nach Arbeit und Staatsbibliothek, gebe ich meiner Herkunft nach.
Ich komme aus dem Osten, und wenn es da etwas gab (Bananen ...), hat man sofort zugeschlagen: "Wer weiß, wann es das wieder gibt." So ähnlich ging es mir dann vor zwei Stunden mit meinem Plan, Freitag mit dem Herrn Grau und Miss Sophie auf der re:publica aufzukreuzen. Wer weiß, ob ich um 12.00 noch reinkomme. Oder überhaupt. Wenn etwas nicht im schieren Überfluß vorhanden ist, reagiert der Ossi in mir immer noch irrational. Und wenn man schon mal in Mitte ist - also, hin zur Kalkscheune.
Frage: "Kann man heute schon Tageskarten für Freitag kaufen?"
Ratlose Gesichter zweier sympathisch wirkender Männer,
der eine schüttelte schließlich eher verneinend den Kopf, während der andere mir helfen zu wollen schien. Das Problem waren wohl die Farben der Papierstreifen - Armbändel - Dingsens, die sich jeden Tag zu ändern scheinen, und wer weiß schon, was Freitag ist ...? Nummer eins wollte einen Kollegen fragte, schüttelte dabei aber ein "Na, ich weiß ja nicht" aus dem Ärmel, wogegen Nummer zwei kurzentschlossen den Vorschlag machte, mir für 20 Euro eine Dreitageskarte zu geben, wenn ich ihm verspräche, entweder ehrlich nachzulöhnen, sollte ich morgen dort aufkreuzen, oder mich vor Freitag nicht blicken zu lassen. Was ich ihm versprechen konnte. Das glückliche Lächeln auf meinem Gesicht schien dem guten Mann den Tag gerettet zu haben, plötzlich sah er ebenso zufrieden aus, wie ich mich fühlte.
Und jetzt, für das Brot, die gute Nachricht: Ich werde morgen meiner Nachbezahlpflicht nachkommen und Dich begleiten!!! Schließlich habe ich heute überraschend schnell meine Recherche in der StaBi erledigen können und genehmige mir hiermit etwas "authentisches Leben 2.0" im Doppelpack!
Wie aufregend:
10.00 Die Zukunft der Wikipedia (ich hab mich jetzt doch für's Frühaufstehen entschlossen, schlafen kann ich noch genug im Leben)
11.30 Darf ich das bloggen?
14.00 Caption this
15.00 We Make Money Not Art!
15.30 evtl. Cash from Chaos, obwohl Kreativ gegen die Vorratsdatenspeicherung auch sehr spannend klingt ...
17.30 Spreeblick Freestyle
19.00 Powerpoint Karaoke, welches ich vielleicht vorzeitig zugunsten von
19.30 Alltag Überwachung verlassen werde
21.00 Konzert: Schatten in der Tiefe, Rätsel in der Finsternis, wer wird da wohl auftauchen?
Ich freu mich jedenfalls drauf!
Von echten und falschen Mädchen
Was ist ein echtes Mädchen? Jetzt mal vom Schimpfwort abgesehen? Und Mädel ist ja leider diskreditiert ...
Bin ich schon eine Frau? Was hört denn eine Frau so? Oder darf ich mich mit 26 noch als Mädchen bezeichnen?
Früher wollte ich gern ein Junge sein, die durften immer alles, also hab ich mich wie einer benommen und sah, dank der nicht vorhandenen Friseurbegabung meiner Mutti, auch wie einer aus. Jetzt hab ich zum Glück Brüste, da kann es nicht mehr zu Mißverständnissen bezüglich meines Geschlechts kommen. Kurz Haare hab ich aber immer noch. Mein Vater findet das "nicht schön". Soll er doch.
Ich mag mich inzwischen fast so, wie ich bin. Wenn ich mich nicht mag, versuche ich im Internet manchmal, jemand anders zu sein. Wenn schon kein Mann (keine Links an dieser Stelle), dann doch wenigstens witziger, frivoler, cooler. Julie Paradise schließlich klingt doch weit glamouröser als mein echter, sehr russischer Name.
Am Ende bin ich aber doch immer wieder gern ich selbst. Tröstlich. Und ich hoffe, daß viel von mir auch in den anderen Selbsts drinsteckt, die ich mir erschaffen habe.
VPowered by kulando

