... stumpfsinnige, viehische Sch ... äh, ja, vielleicht noch mal von vorn?
"300" - wollte ich ja mal sehen, schon, weil der Film in den Rezensionen so unglaublich polarisiert. Mein Fazit: Das einzig Positive an dem Film sind die hübschen nackten Männer und die Tatsache, daß der Film nicht sehr lang ist.
Schon der Anfang hat mich wütend gemacht. Da sitzt ein alter Mann an einer Klippe und begutachtet ein Baby. Baby hat Glück, es ist gesund und kräftig, sonst wäre es in die Tiefe gestürzt worden, denn: "Für Zärtlichkeit ist hier kein Platz, kein Platz für Schwäche, nicht in Sparta", wer das beim ersten Mal nicht versteht, für den wiederholt der omnipräsente Erzähler aus dem Off diese Weisheit. Leben ist Kampf in dieser Welt falsch verstandener Ehre, die unmenschlich ist und Euthanasie an den Schwachen betreibt. Wo Jungen mit Wölfen kämpfen und sich mit der Bestie gemein machen, töten oder sterben, alles dargestellt mit pseudobedeutsamen Worten und Bildern, die vor faulem Pathos nur so triefen, da dürfen "nur die Starken, die Unbeugsamen sich Spartiaten nennen", also ein Recht auf Leben haben. Oder: "Wir marschieren" (3x) – in den Tod. Das ist nicht heroisch, das ist blöde und viehisch.
Die Liebesszene vor dem Auszug hat zuerst nur Softpornoqualität, plötzlich sieht dann aber auch der Sex nurmehr wie ein Kampf aus.
Die Brüllaffen sammeln sich also für die Schlacht, und dann muß man sich so dumme Erzählerkommentare wie "alles was er bedauert, ist die geringe Zahl derer, die er opfern kann" anhören. Vergleicht man diese Konstellation zum Beispiel mit dem dritten Teil von "Herr der Ringe" (u.a. wegen der Massenkampfszenen wurden derartige Vergleiche mehrfach gezogen), so wird deutlich: Hier wird für eine Welt der Starken, der Krieger, der Unnachgiebigkeit gekämpft, dort für Liebe, Frieden und Licht. Wiederholt heißt es "Ehre, Pflicht, Ruhm" – Liebe? Spielt wohl keine große Rolle. Zwar sind die Perser auch nicht sympathischer dargestellt, aber immerhin dunklerer Hautfarbe. Damit Gut und Böse (Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?) besser auseinanderzuhalten sind, nehme ich an.
Bevor es zur ersten Schlacht kommt, fordert ein Sturm viele Opfer vor der Küste, die Bilder von sterbenden Persern in der Sturmnacht werden mit "Herrlich!" vom König kommentiert. Wie schon beim Tod des persischen Gesandten fallen hier Menschen in Zeitlupe in den Abgrund, alles ab hier ist entweder unnötig brutal oder pathetisch, wobei besonders folgende Zitate negativ herausstachen: "Freiheit kostet Blut", "Ich habe mir immer einen schönen Tod als Aufgabe gewünscht", "schenkt ihnen nichts aber nehmt ihnen alles". Dazu Gegrunze, markiges Gebrüll, Tod - toll! Metzeln wird in Serie betrieben, hocheffektiv, wobei irres Gelächter und blutspritzende Pfeilspitzen in Slow-Mo gezeigt werden.
Apfel gefällig? Leonidas jedenfalls vergeht beim Abstechen der überlebenden Perser, das seine Mannen ganz atemlos erledigen, mitnichten der Appetit, ein Snack zum Gemetzel und blöde Witze - auch hier habe ich mich an "Die Rückkehr des Königs" erinnert, nur daß dort das Mahl des Königs zu Anbruch der Schlacht als das gezeigt wurde, was es war: Pervers, roh, wahnsinnig.
Und Xerxes: Xerxes, der Gottkönig kann vor lauter Schmuck kaum gehen, wenn das kein (homophober) Gegenentwurf zur ausgeprägten Heterosexualität der Spartianer sein soll ... ?
Aufgewachsen in einem System des Krieges zeigt kein Kämpfer so etwas wie Abscheu beim Herumklettern auf Leichenbergen. "Türmt die Perser hoch auf!" – Widerlich! "Viele tote Perser", davon ist der Boden ganz "schlüpfrig". Als der Sohn des Heerführers geköpft wird, regen sich kurz menschliche Geühle in den Kämpfern, zwar sind die "Verluste gering, doch jeder Gefallene ist ein Sohn oder Freund" – Blutrausch ist nicht gut, aber eher für die Ökonomie der Schlacht oder ist da doch mehr? "Trauer?" (fragt der Vater des Toten) "ich fülle mein Herz mit Hass!" Leonidas: "Gut!"
Der abgewiesene Bucklige wird zum Verräter an Sparta, an der Verkrüppelung kann man schließlich seine gesamte Minderwertigkeit (so wohl die Logik dieses Films) ablesen, da bleibt nicht mehr viel Hoffnung für die Kämpfer: "Unterwerfung – Rückzug – Tod" Und der gute Spartiate wählt: Tor 3 bitte.
"Bereitet euer Frühstück, esst richtig, denn heute Nacht speisen wir in der Hölle!" Metzelmetzel, man denkt, jetzt wäre es endlich vorbei, aber falsch gedacht: Neuer Krieg, nächste Schlacht, Trompeten, juchhu. Am Ende siegen die Griechen.
Vielleicht gut zu wissen: Ich mochte schon "Sin City" nicht. Und da ich mich in dem Bereicht nicht auskenne: Wieviele widerwärtige, dumme, brutale Filme für Leute, die so Etwas für ganz große Kunst halten, kann man noch aus Frank Miller-Comics schnitzen?
soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ...
Pechmarie überlegt, ob sie entweder in ihre Vorlesung geht, oder den Wunsch eines Mitarbeiters erfüllt und ihm ein Buch aus der Bibliothek holen soll ...
oder 
Oh mein Gosh!
Ich habe gerade 100 Euro geschenkt bekommen! Einen Umschlag bekam ich in die Hand gedrückt, mit der Bemerkung "Das müssen Sie jetzt annehmen, sonst habe ich ein schlechtes Gewissen wegen Ihrer Hilfe."
Mit 20 Euro hätte ich gerechnet, maximal 50, aber ein grüner ... !
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